Projekt: NS-Ehrenbürger


Zu den nebenstehenden Abbildungen:

oben - Auszug aus dem Protokoll des Stadtparlaments vom 3. April 1933:

[TOP] 11 - Es wird mit 10 gegen 4 Stimmen beschlossen, dem Herrn Reichskanzler Adolf Hitler und dem Herrn Oberpräsidenten Hinrich Lohse das Ehrenbürgerrecht zu verleihen.
         Reimers                             Wendell                             Fokuhl


unten - Text der Urkunde zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts:

In dankbarer Anerkennung der unvergleichlichen Verdienste um die Einigung unseres Vaterlandes hat die Stadt unter freudiger Zustimmung der Einwohner dem siegreichen Führer zum neuen Staat, dem Erwecker deutscher Pflicht und Ehre,
Reichskanzler Adolf Hitler
das Ehrenbürgerrecht
der Stadt Nortorf in Holstein
als höchste Auszeichnung verliehen.
Nortorf, den 3. April 1933
         Hartwig Reimers                                                         Dr. Fokuhl
         Ratmann u.                                                                 Ratmann
         stellv. Bürgermeister


NS-Ehrenbürger in Nortorf - eine fast unendliche Geschichte

Wie etwa 4000 andere deutsche Städte und Gemeinden hatte auch Nortorf während der NS-Zeit Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht verliehen. Nur die vier SPD-Vertreter stimmten in der Stadtverordnetensitzung vom 3. April 1933 gegen diese Ehrung. Gleichzeitig mit Hitler erhielt auch Hinrich Lohse, Gauleiter Schleswig-Holsteins und später Organisator des Holocaust im besetzten Baltikum, das Nortorfer Ehrenbürgerrecht.

Viele Kommunen haben sich nach Kriegsende von der NS-Herrschaft deutlich distanziert, indem sie Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft ausdrücklich aberkannten. Das Nortorfer Stadtparlament sah dazu lange keinen Anlass, auch nicht, als das Thema - angestoßen durch das Bürgerforum - kürzlich erneut auf den Tisch kam. Erst als Forumsmitglied Erich Mory in einer Stadtverordnetenversammlung ironisch nachfragte, ob man statt einer Aberkennung vielleicht eine Feier zum 80. Jahrestag der Ernennung Hitlers und Lohses zu Ehrenbürgern plane, kam Bewegung in die Diskussion. Die Empörung vieler Stadtverordneter über diese Frage machte die Presse auf den Fall aufmerksam. Auf Initiative der Grünen kam die Aberkennung der Ehrenbürgerschaften auf die Tagesordnung des Stadtparlaments, das am 24. April 2013 einstimmig zu diesem Ergebnis kam:

Ohne weitere Aussprache ergeht folgender Beschluss: Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Nortorf fasst den symbolischen Beschluss, die Ehrenbürgerschaften von Adolf Hitler und von Hinrich Lohse posthum aufzuheben.

Dabei verpasste Bürgermeister Horst Krebs eine wichtige Chance: Statt den im Beschluss genannten Symbolgehalt in einem Bekenntnis zu den demokratischen Werten unserer Gesellschaft allen Bürgern verständlich zu erläutern, versuchte er lediglich seine eigene zögerliche Haltung in dieser Frage zu begründen. Seine Einschätzung, jede Ehrenbürgerschaft erlösche mit dem Tode, steht jedoch im Widerspruch zu allgemein bekannten Tatsachen, ist doch beispielsweise Marlene Dietrich sogar posthum zur Ehrenbürgerin Berlins erklärt worden.

Dennoch bleibt festzuhalten: Es hat zwar 80 Jahre gedauert, aber mit Beschluss der Stadtverordneten vom 24. April hat sich in Nortorf in dieser Frage nun die Vernunft durchgesetzt.


 
Protokollauszug
Ehrenbürgerurkunde